Reise zu historischen Orten des geteilten Deutschlands

Sebastian
7th August 2020

„Mami, Papi, erzählt doch mal: Stimmt es, dass es früher eine Mauer in Deutschland gab?“ Vielen aus der Elterngeneration ist das geteilte Deutschland noch präsent. Für unsere Kinder ist dieses finstere Geschichtskapitel jedoch zu abstrakt, um es wirklich zu verstehen. Reisen Sie doch mal an die ehemalige Grenze oder zu den historischen Stätten in und um Berlin. Lassen Sie die Kinder ein Stück Mauer berühren, die alten Wachtürme besteigen oder im ehemaligen Todesstreifen auf Exkursion gehen. Dann fällt das Begreifen leichter. Und das ist wichtig, finden wir. Drei sehenswerte Stationen.

1/3 Zu Besuch in „Little Berlin“: Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth

Bis 1989 teilte eine massive Betonmauer das bayerisch-thüringische Dörfchen Mödlareuth. Mit der Aufteilung in eine amerikanische und eine sowjetische Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Verwandte, Freunde und Nachbarn völlig voneinander abgeschottet: Grüßen oder winken über die Grenze war von DDR-Seite aus strengstens verboten. Über die Einhaltung der Regeln wachten die Grenzposten auf den Beobachtungstürmen mit ihren Ferngläsern und Gewehren. Heute können die Mödlareuther wieder gemeinsam feiern oder einen Plausch auf der Straße halten. Besuchern präsentiert das Museumsdorf heute deutsch-deutsche Geschichte zum Anfassen – eben im Mini-Format. An einem langen Mauerstück lässt sich die in Beton gegossene Teilung anschaulich nachfühlen. Wer es genau wissen will, kann in einen original erhaltenen Beobachtungsturm hineinsteigen, auf einen Sowjet-Panzer klettern und in der Ausstellung erfahren, wie die Einwohner damals den Alltag meisterten. Oder vergnügt über den Grenzbach zwischen Bayern und Thüringen springen.

Foto von: Mediathek des Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth

2/3 Das grüne Band: Vom Todesstreifen zur Lebensader

Die DDR-Autoritäten sorgten dafür, dass jahrzehntelang kein Mensch in das Sperrgebiet um den Todesstreifen vordrang – eine Chance für Tier und Natur, sich ungestört zu entwickeln. Aus dem Eisernen Vorhang ist mittlerweile ein grünes Band geworden, eine Lebensader für bedrohte Pflanzen und Tiere, die sich 1.400 Kilometer lang durch das ganze Land schlängelt. Zum Beispiel im Harz. Dort führt der Harzer Grenzweg teils auf ehemaligen Kolonnenwegen durch eine Region, die von der Teilung besonders hart betroffen war – lag ihr höchster Gipfel, der Brocken, doch lange Zeit abgeschirmt im Sperrgebiet. Ein interessantes Wander-Angebot entlang des grünen Bandes hat der Nationalpark Harz aufgelegt: Natur und Geschichte werden bei den fünfstündigen Touren auf interessante Weise miteinander verknüpft: Während die Teilnehmer den Lebensraum von Luchs und Wildkatze erkunden, treffen sie immer wieder auf Relikte der früheren Grenzanlagen und lauschen den spannenden Berichten von Zeitzeugen. Eine empfehlenswerte Grenzerfahrung!

Foto von: Nationalpark Harz

3/3 Geschichtsstunde vom Fahrradsattel aus: Der Berliner Mauerweg

Ganze 155 Kilometer Mauer machten West-Berlin zu einer Enklave mitten im sozialistischen Osten. Der Berliner Mauerweg lädt zu einer spannenden Spurensuche entlang des einstigen Grenzverlaufs ein. Mit dem Rad oder zu Fuß lassen sich die 14 Streckenabschnitte, die zum Teil auf alten Kontroll- und Versorgungswegen der DDR-Grenzanlagen verlaufen, auch prima mit Kindern erkunden. Zum Beispiel der Abschnitt zwischen Wollankstraße und Nordbahnhof. Er präsentiert auf fünf Kilometern Länge deutsch-deutsche Geschichte, wie sie kompakter und anschaulicher nicht sein könnte: Bornholmer Straße, Platz des 9. November, Mauerpark, Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße – wer die historischen Stationen von der Teilung bis zur Wiedervereinigung verstehen will, ist hier genau an den richtigen Orten. Und auch die Allerkleinsten haben unterwegs ihren Spaß, wenn es zur Rast auf einen Kinderbauernhof, schöne Spielplätze oder in eines der familienfreundlichen Cafés entlang der Strecke geht.

Übrigens: Alle Anfangs- und Endpunkte der einzelnen Etappen sind bequem mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar.

Foto von: Carsten Rasmus, KlaRas-Verlag

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